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Zirkuswagen im Jugendstil

Vom langen Weg zum eigenen Haus auf Rädern.

 

Vorgeschichte

Den Traum, ein eigenes, kleines Haus mit eigenen Händen zu bauen, hege ich wohl schon ein Leben lang. Was braucht es denn schon, um einen kleinen, komfortablen Lebensraum zu schaffen? Und der Sicherheitsaspekt ist doch auch einfach zu beherrschen. Die Suche nach einem einfachen, mit eigener Hand gefertigten Häuschen, dass einen wieder näher an die schlichten Ansprüche des Leben (Heizen, Kochen, Schlafen, etc) bringt, teilen scheinbar viele Menschen. Der Gedanke der Autarkie spielt natürlich auch eine große Rolle. Wenn der eigene Lebensraum sich nicht über 3 Stockwerke und hunderte von Quadratmetern erstreckt, so kann eine kleine Inselsolaranlage mit 12 Volt schon ausreichen. Und auch das führt wieder zu dem Punkt, das eigene Leben wortwörtlich in die eigenen Hände zu nehmen. Ich bin ein Mensch, der gerne alles selber entwirft und herstellt, repariert, erfindet, erträumt, erbaut. Und dafür bin ich auch bereit mit Einschränkungen zu leben. Es ist ein kleiner Akt der Rebellion, wenn jemand etwas bevorzugt, was er selber erdacht und gebaut hat, obwohl er doch einfach etwas Ähnliches in besserer Qualität und mit mehr Komfort kaufen könnte.

Die Idee des Zirkuswagens bewegte mich bereits seit vielen Jahren. Zuerst war mir nicht klar, wo die Unterschiede zwischen Bauwagen, Zirkuswagen und Tiny House liegen. Ich wusste nicht, wie man so etwas anfängt, worauf man achten muss, noch wie man so etwas plant. Der Anfang dieses Projektes liegt also gewissermaßen in wilden Träumen, stundenlangem Surfen durch Bildergalerien und dem Lesen von Berichten. Schnell wurde mir klar: Es muss ein Neuaufbau werden! Ich hatte zu viele Bilder von rostigen Fahrgestellen, verschimmeltem Holz und feucht glänzendem Isoliermaterial gesehen, um darauf zu vertrauen, dass ich etwas bewohnbares in meinem Budget finden würde.

Das Budget ist natürlich auch so ein Punkt. Wer ordentlich recherchiert, findet schnell heraus, dass so ein Eigenbau nicht günstig ist! Tatsächlich habe auch ich mein Budget gesprengt. Und ich kann mit Fug und Recht sagen, dass an diesem Wagen alles Eigenbau ist, oder (Wechselbrückenrahmen und Anhänger) einer gründlichen Überholung bedurfte.

Fangen wir also an…

Türen und Fenster

Wer lange genug über die Architektur eines Zirkuswagens nachdenkt, findet schnell heraus, dass es für jede weiterführende Planung die Maße der Fenster und der Tür braucht. Dazu kommt, dass die Fenster flach sein müssen, da die Seitenwände des Zirkuswagens nicht so hoch wie die einer normalen Wohnung sind und früh in die Rundung des Daches übergehen. Mir war auch wichtig, Fenster mit einer Doppelverglasung zu haben. Zwar braucht es nicht viel einen solch kleinen Raum zu beheizen, aber je besser die Isolierung ist, desto einfacher wird das Heizen in der kalten Jahreszeit. Ich habe also schon vor Jahren damit angefangen, nach alten, doppelt verglasten Fenster aus Meranti Holz zu suchen. Solche Fenster sind heute günstig gebraucht zu bekommen. Diese habe ich dann in Handarbeit abgeschliffen, der Optik wegen ein Fensterkreuz hergestellt, neu lasiert und gusseiserne Fenstergriffe eingebaut. Das Fenster in der Front besteht zu Hälfte aus einem Holzfenster der 80er Jahre und oben aus einem antiken Fenster, das ich aufgearbeitet und mit Doppelglas versehen haben. Das ganze sitzt ohne Öffnungsfunktion in einem selbstgefertigten Rahmen aus Merantiholz und bietet einen schönen Ausblick und viel Licht im Inneren. Das Heckfenster ist ebenfalls antik und aufgearbeitet. Allerdings musste ich hier einen zweiten Rahmen fertigen um das deutlich dickere Doppelglas einzufassen. Das Fenster ist zum Öffnen und der Rahmen auch Eigenbau. Hier steht die Arbeit wohl kaum im Verhältnis zu den ersparten Kosten eines Neukaufs. Aber so lernt man. Bei der Tür handelt es sich um eine antike Eichentür, die ich auf das nötige Maß gekürzt, restauriert und mit Doppelglas versehen habe. Der Schließmechanismus ist ein Eigenbau und das Fenstergitter selbstverständlich eigens für den Wagen entworfen und von Hand geschmiedet. Jugendstil ist nun einmal meine Formensprache. Und bei diesem Projekt wollte ich keine Kompromisse machen müssen.

Skizzen und technische Bauzeichnungen

Wer eine Zirkuswagen oder Tiny House bauen möchte, findet sich sehr schnell in der Situation, genaue Zeichnungen und Pläne zu benötigen. Es ist der kleine Schritt vom vagen „ich würde gerne“ zum „ich fange jetzt an“, der schlagartig eine Millionen Fragen und Detaillösungen verlangt und dann einfach ohne einen halbwegs geordneten Angriff nicht mehr auskommt. Die Liste ist lang: Höhe, Breite, Länge… Was darf ich überhaupt auf der Straße bewegen? Wie funktioniert ein Fachwerk; wie dimensioniere ich die tragende Konstruktion; wie geht Isolierung; wie verhindere ich Schimmelbildung; welche Raumhöhe möchte ich (oder bedarf es für eine Baugenehmigung); wie konstruiere ich die Außenhülle, das Dach, den Boden, die Versorgungsleitungen…? Die Liste ist endlos. Ein Stift und ein Stück Papier wirken da Wunder und bringen Klarheit in das Durcheinander. Zudem bedarf es noch tagelanger Recherche über relevante Themen wie Isolierung und Statik. Und ich habe noch gar nichts über das Design gesagt… Eine grobe Idee ist ein guter Ausgangspunkt. Aber auch hier greifen die verschiedenen Bauabschnitte ineinander und nehmen vieles vorweg. Einfaches Beispiel: Das Farbkonzept. Es fängt beim Fahrgestell an. In welcher Farbe lackiert man es? Ich habe eine relativ konkrete Idee über das Design bereits gehabt und habe daher bei allen Schritte genau darauf zu gearbeitet. Die konkreten, nicht Statik relevanten, Lösungen und Gestaltungen entstanden dann oft in den Nächten vor der Tat.

Und hier kommen wieder die Fenster und die Tür ins Spiel: Wer diese schon hat, weiß wo sie hin sollen, wie groß sie sind und wie das Fachwerk konstruiert wird, damit alles am Ende perfekt zusammen passt.

Der Ehrlichkeit halber muss ich zugeben, dass die Pläne der Elektrik viel später, nach dem eigentlichen Verlegen der Kabel, entstanden. Man muss ja nicht in jedem Detail penibel vorausplanen. Einen gewisse Flexibilität ist einfach pragmatisch. Aber: Wer spontan und unüberlegt entscheidet, dass die Innenraum Breite 2,4 Meter betragen soll, der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die Fuhre viel zu breit für deutsche Straßen wird und es ohne Sondergenehmigungen nicht geht.

Das Konzept der Wechselbrücke

Ich habe sehr lange überlegt, was für ein Fahrgestell der Wagen bekommen soll. Es gibt dutzende Angebote alter Drehschemel Fahrgestelle im Netz. Meine Frage, wie man diese ohne Papiere legal auf der Straße bewegen darf, wurde nie beantwortet. Die Wahrheit ist, dass es ohne Papiere legal nicht geht. Daher werden die Wagen auch quasi immer auf einem Tieflader transportiert. Und dann die Legenden um die 25 km/h Regelung… Wenn man nicht zufällig Bauer, Bauunternehmer oder Zirkusartist ist, dann gibt es keinen legalen Weg.

Aber es gibt das Konzept der Wechselbrücke. Eine Wechselbrücke ist kurz gesagt eine Ladung auf einem Stahlrahmen, die sich schnell und werkzeuglos laden lässt. Jeder kennt die Anhänger mit den Aufdrucken dhl, dpd, etc… So ein Rahmen ist nicht teuer, wenn er alt und rostig ist. Er braucht keine Papiere oder sonstiges. Er muss nur transportiert und abgestellt werden. Was man aus diesem Rahmen macht sollte allerdings einer Inspektion der Männer in Blau mit der Note „transportsicher“ passieren.

Grundsätzlich sollte die Substanz eines solchen Wechselbrücken Rahmens allerdings nicht in einem all zu schlechten Zustand sein. Mit dem Winkelschleifer den verwinkelten Rahmen zu entrosten ist kein Sonntagsspaziergang und Durchrostungen sollten sofort heraus geschnitten und repariert werden. Wer dann noch schweißen kann, ist klar im Vorteil. Immerhin handelt es sich nicht einfach nur um einen Rahmen, sondern quasi um das Fundament des neuen Hauses!

Ich für meinen Teil bin nach langem, zermürbenden Suchen auf einen halbwegs passablen 7,3 m Rahmen gestoßen und habe ihn gekauft. Da ich aber gerne 8 m Länge haben wollte, griff ich zum Schweißgerät und verlängerte ihn mit Doppel-T-Trägern um 0,7 m.

Hier also, was ich aus einem solchen Rahmen gemacht habe:

Die Dachträger

Wie bereits erwähnt, habe ich früh angefangen, auf einem Stück Papier „herum zu spinnen“. Daher kam der Gedanke, dass ich erst die Türen und Fenster brauche. Als es ernst wurde, wurden auch die Zeichnungen detaillierter. Maße wie Höhe und Breite wurden langsam konkret und damit eben auch die Konstruktion des Dachs. Ich wollte einen kleinen Dachüberstand, soviel war klar. Das schützt die Fassade vor Regen und ermöglicht eine Regenrinne. Einige Zeichnungen später war dann auch klar, dass ich, ohne all zuviel Geld in die Hand nehmen zu müssen, schon mal die Dachträger bauen könnte. Gesagt, getan. Daher gehört dieser Punkt eigentlich vor den Kauf des Wechselbrücken Rahmens. Denn ich hatte die Zeit und habe mich damals noch vor der alles entscheidenden Investition, dem Fakten schaffen, der Wechselbrücke, gefürchtet.

Die Träger bestehen aus 3 Lagen, mit PU-Leim und VA-Schrauben verbundenen Weichholz. Die Träger sind so massiv, dass sie problemlos jede Last tragen.

Für die 2 sichtbaren Dachträger vorne und hinten habe ich mir natürlich wieder ein ganz eigenes Design ausgedacht und habe sie in 3 Lagen Sipoholz von Hand hergestellt. Diese 2 Träger bilden den krönenden Abschluss des Daches vorne und hinten.

Der Fachwerkaufbau

Dieses Kapitel ist eigentlich ein sehr langes, auch wenn es in der Galerie nicht so aussieht. Es ist die Frucht aus nächtelangem Planen, überlegen, recherchieren. Dämmung, Außenverschalung, Ständerwerk, Höhe, Breite, Verzapfung der Balken… Alles mit richtiger Planung. Da die oberen Längsbalken und die Dachträger schon vorgefertigt parat lagen, war der Zusammenbau eine wahre Freude. Es ging schnell und die tagelange Planung griff wortwörtlich wie Puzzlesteine perfekt ineinander. Ein paar lange Sommerabende mit ausreichend Bier und schon wird ein Schuh draus.

Alle Fachwerkteile wurden impregniert und mit wasserfestem PU-Leim und VA-Schrauben montiert. Und während der Montage entschied ich mich sogar noch dafür, einige Querverstrebungen weg zu lassen, da das Fachwerk, bereits verwindungssteif genug war.

Obwohl der Aufbau an einigen heißen Sommertagen fertig gestellt wurde, war es doch ein Kampf, den Aufbau immer wieder vor sommerlichen Regen zu schützen.

Das Dach

Hier fehlen leider ein paar Bilder. Um es kurz zusammen zu fassen: Auf die Dachträger kam natürlich eine Unterspannbahn, die atmungsaktiv ist, aber wasserundurchlässig. Darauf schraubten wir gebogene Dachlatten, die die Hinterlüftung gewährleisten. Darauf kam dann das Dach aus sibirischer Lärche in 14mm. Für die Beschichtung des Daches habe ich mich für eine EPDM Folie entschieden welche licht- und wetterbeständige und sehr langlebig ist! Der Trick war, in diesen heißen Sommertagen die Folie so schnell wie möglich in Abschnitten zu verkleben, da der Kleber sehr schnell trocknet. Das ist bei über 8 m Dachfläche gar nicht so einfach. Zum Glück hat mich ein guter Freund dann doch davon überzeugt, ein provisorisches Gerüst auf zu bauen. Diese bestand nur aus einer Plattform, die an den bestehenden Balken angeschraubt war. Er hat sowas von Recht behalten!

Das Haus muss wasserdicht werden

Dieser Gedanke trieb mich den ganzen Sommer lang an: Es wird regnen! Und es regnete… ständig… Aber irgendwann würde es Herbst werden und ein nicht wasserdichtes Haus wäre dann fatal. wir hantierten mit allerlei Einwegfolien, um die Elemente von meinem Werk fern zu halten. Außerdem taten wir alles, um das Dach so schnell wie möglich fertig zu stellen und die Wände mit Unterspannbahn zu verkleiden. Der Plan, vor dem späten Sommerurlaub den Wagen dicht zu bekommen, ging mit mühevoller Arbeit gerade noch auf. Und der Herbst kam…

Tür, Fenster, Außenverschalung, Schonrstein und Regenrinnen

Es wurde also Herbst… Im Schutz der angetackerten Einwegfolie montierten wir Fenster und Türen. Wie gesagt, wenn die Planung passt, passen auch die Spaltmaße und es ist alles Material vorhanden, um dem Häuschen einen Eingang und eine Ausblick zu verschaffen.

Dann war es Zeit für die finale Außenverschalung. Diese besteht aus 14 mm Lärchenholz, in Türkisblau geölt. Auch die Fassade hat eine umlaufenden Hinterlüftung. Diese Arbeit zog sich über Wochen hin, da wir immer einen Teil des Holzes auf Länge schnitten, doppelt ölten und schließlich mit VA-Schrauben montierten (in der gesamten Konstruktion befinden sich ausschließlich VA-Schrauben). Die äußere Verkleidung der Fenster und Tür war eine der Dinge, die ich spontan entwarf und montierte. Ich wollte keine eckigen, einfachen Fensterrahmen. Das wäre einfach nicht Ich. Auch wenn ich den Arbeitsaufwand am liebsten vermieden hätte.

Die Regenrinne entstand schließlich aus Aluminium-U-Profil und selbst gefertigten, einklappbaren Halterungen. Gewicht, Preis und Breite spielten dabei eine Rolle.

Der Kamin ist im Prinzip ein einfacher Edelstahlkamin. Allerdings wollte ich den äußeren Teil mit 4 Schrauben abnehmbar machen, um einen einfachen Transport zu gewährleisten. Und obwohl der Kamin doppelwandig ist, gilt es trotzdem ein wenig an Brandschutz zu denken. Auch dafür gibt es Vorgaben und die lassen sich tatsächlich relativ einfach erfüllen.

Die unzähligen Detaillösungen kann ich nicht auflisten. Es sind einfach zu viele. Der seitliche Blechabschluss unten, der Abschluss der Ecken, die eingebauten Insektenschutzgitter der Hinterlüftung. Die Liste ist lang. Da sagen Bilder mehr als tausend Worte:

Die Elektrik

Die Elektrik entstand quasi spontan. Natürlich hatte ich ein gesammeltes Repertoire von antiken Bakelit Schaltern und Steckdosen und eine grobe Idee wo was hin sollte. Man sollte sich z.B. überlegen, wie man das Licht ausschaltet, wenn man Nachts in die Schlafkoje klettert, oder wo man wie viele Steckdosen braucht. Ich habe die Elektrik simpel gehalten und ohne digitale Steuerungen. Eine simple Elektrik funktioniert störungsfrei für viel Jahrzehnte. Und braucht man auf 16 qm wirklich eine Steuerung per Handy-App?

Den Sicherungskasten montierte ich aus Platzgründen unter der Wechselbrücke. Dort ist er zugänglich und trotzdem aus dem Weg.

Bei der Verdrahtung habe ich einen Weg gewählt, den kein Elektriker so nehmen würde. Ich habe für jede Steckdose und jede Lampe ein eigenes Kabel zum Sicherungskasten gelegt. Der Grund ist, dass der Ausfall oder die Beschädigung eines Kabels nicht zum Ausfall des gesamten Systems führen sollte. Die Kabel liegen verborgen in der Wand und unter der Dampfbremse und der Innenwand. Der Zugang ist nachträglich nur mit enormen Aufwand möglich. Ich wollte die Möglichkeit, eine Lampe oder eine Steckdose einzeln vom Sicherungskasten abzuklemmen und „tot zu legen“. Für eine etwaige Reparatur habe ich alle Kabel und Verteilerdosen penibel ausgemessen und detaillierte Zeichnungen gemacht.

Ein weiterer Grund für die Verlegung so vieler einzelner Kabelstränge war, dass ich die Möglichkeit haben wollte Teile des Systems auf 12V Solarstrom umzustellen (auch die Steckdosen). Wer einmal darüber nachdenkt, wie viel heute mit 12V funktioniert, erkennt, dass das sinnvoller ist, als ein Wechselrichter.

Für den Außenbereich sind unter der Wechselbrücke 4 Steckdosen montiert.

Über der Eingangstür ist unsichtbar ein LED-Streifen für die Beleuchtung des Eingangsbereichs verbaut.

Der Innenausbau

Längst war es Winter und wir waren froh, im Innenraum, geschützt vor Wind und Wetter, weiterarbeiten zu können.

Auf den ersten Bildern zu sehen ist die Wanddurchführung für das Ofenrohr, gebaut aus Ytong Steinen. Den Inneren Abschluss bildet eine selbst gefertigte Rosette, so dass das Ofenrohr an keinem Punkt Kontakt zu brennbarem Material hat.

Eine der wichtigsten Entscheidungen war natürlich die Isolierung. Ich hatte mich für 10 cm Stärke und aus Preis- und Gewichtsgründen für Mineralwolle entschieden. Das ganze wurde dann rundherum mit einer starken Dampfbremse abgedichtet. Die Decke verkleideten wir mit 3 mm dünnem, biegsamen Sperrholz. Für die Wände entschied ich mich 9 mm dickes Sperrholz aus Fichte/Tanne. Viele wählen OSB oder ähnliches weil es wasserdicht und günstig ist. Ich für meinen Teil finde, dass das Gewicht des rollenden Hauses eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Und Sperrholz ist leicht, robust und dabei immer noch ein natürliches Material. Zudem war mir wichtig, dass ich keine Holzpaneelen haben wollte, da das oft die Atmosphäre einer Gartenlaube mit sich bringt.

Die Innenwände lackierten wir mit weißem Öl, welches feuchtigkeitsregulierend wirkt.

In den Boden schnitt ich dutzende von Löchern, die ich dann mit Unterspannbahn und Insektengitter wieder. Der Grund: Während die gesamte Fassade und das Dach mit einer Hinterlüftung versehen sind, hatte der Boden keine Belüftung. Das wollte ich damit erreichen. Nach der Dämmung verlegten wir dort einen Dielenboden in 19 mm (Gewichtsersparnis) und ölten ihn mit Fußbodenöl.

Um die große weiße Fläche etwas aufzubrechen, tapezierten wir den unteren Teil der Wand mit einem Sockelfries, der oben mit einer Holzleiste abgeschlossen wurde.

Der stilvolle Abschluss der Ecken, Fenster und Tür ist dann die Detailarbeit, die viel Zeit benötigt. Aber sie ist es wert.

Das Interieur

Auch hier gilt es, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, was wo hin soll, um später Steckdosen und Versorgungsleitungen an der richtigen Stelle zu haben. Was beim betrachten der Bilder sofort auffällt, ist, dass ich weder Toilette, noch Dusche vorgesehen habe. Das hat verschiedene Gründe: Einerseits ist eine Nasszelle in einem hölzernen Wagen immer etwas schwierig umzusetzen, da sehr viel Feuchtigkeit im Spiel ist. Wichtiger ist aber, dass ich, beim zeichnen der Pläne schnell festgestellt habe, dass eine Nasszelle einfach zu viel Platz in dem 8 m langen Wagen einnehmen würde. Grundsätzlich mag ich natürlich die Idee des Minimalismus, aber ein Minimum an Bewegungsfreiheit und Wohnklima halte ich einfach für zu wichtig, um alles auf 16 qm zu quetschen. Eine Lösung dafür ist eine externe Toilette und Dusche. Sollte ich doch noch autarker werden wollen, so habe ich den Plan, eine weitere, kürzere Wechselbrücke zu einem vollständigen Badezimmer aufzubauen. Dann wäre genug Platz für WC, Dusche und sogar eine Badewanne. Der Aufbau dieser Brücke würde ich dann allerdings anders angehen und den Innenraum so konstruieren, dass er 100 % Wasser resistent ist. Das Prinzip Wechselbrücke hat seine Vorzüge.

Grundsätzlich habe ich alles so konstruiert, dass an allen Wänden eine ausreichende Luftzirkulation gegeben ist. Jeder kennt ja den Anblick, wenn man in einem alten Haus nach Jahren den Schrank von der Wand abrückt… Auch wollte ich, dass die Inneneinrichtung nicht nach Wohnwagen typischen Funktionsmöbeln aussieht, sondern eine angenehme Wohnatmosphäre bietet. Aber natürlich gibt es gewisse Einbauten, bei denen die Funktion eine ausgesprochen wichtige Rolle spielt. Ein weiterer Gedanke war, die Einrichtung weitgehend flexibel zu halten. Der Geschmack kann sich ja nun mal ändern, oder es kann sich herausstellen, dass ein Teil der Einrichtung zwar schön, aber einfach zu unpraktisch ist. Daher wollte ich die Option behalten, Teile auszutauschen, ohne in die grundlegende Konstruktion des Innenraum eingreifen zu müssen. Für den Transport ist es allerdings wichtig, dass alle Möbel fest verankert sind und nicht abgebaut werden müssen. Die einzige Ausnahme bildet der Ofen.

Im hinteren Teil des Wagens befindet sich der „begehbare“ Kleiderschrank mit eigener Beleuchtung und darüber die Schlafkoje mit dem niedlichen halbrunden Fenster, Ablagen und Steckdosen. Der Kompromiss aus Höhe der Schlafkoje und dem „bekriechbaren“ Kleiderschrank war nicht einfach. Beides soll so bequem wie möglich sein. Wer also gerne im Bett Kaffee trinkt, sollte dort auch sitzen können, ohne sich den Kopf zu stoßen. Die Trennwand wurde tapeziert und Rahmen und Fensterchen geben dem Bereich die Form, die ich mir vorgestellt habe. Alles geht schneller und einfacher wenn es eckig ist, aber so hatte ich es mir eben vorgestellt.

Im Mittelteil des Wagens befinden sich 2 Stahlstreben, die für extra Stabilität sorgen. Diese nutzte ich, um einen Formschönen Stauraum über Kopf zu schaffen und gleichzeitig die Beleuchtung zu integrieren. Die Formensprache des Jugendstils war für mich an dieser Stelle besonders wichtig.

Holzregale mit integrierter Beleuchtung und gusseisernen Trägern bieten den nötigen Stauraum für Bücher und Kochutensilien und runden alles mit schönen, kleinen Details ab.

Für die Küche erstand ich einen antiken Gasherd, den ich komplett zerlegte, restaurierte und alle Gasleitungen erneuerte. Die Umrüstung der Kochfelder und des Backofens von dem damals gängigen Stadtgas auf Flüssiggas, stellte eine ganz eigene Herausforderung da. Man kann für solch ein antikes Schmuckstück nun einmal keine Umrüstsätze kaufen. Ein zusätzliches Hauptventil sperrt die Gaszufuhr und ersetzt zwar nicht den fehlenden Flammwächter, aber sorgt doch für etwas mehr Sicherheit und ein gutes Gefühl. Aber warum eigentlich ein Gasherd und dazu noch mit Gasbackofen? Es hat doch einen Grund warum die modernen Herde keinen Gasbackofen haben. Der Grund ist ganz einfach. Alles was sich mit Gas betreiben lässt, schafft eine gewisse Autarkie vom Stromnetz und entlastet eine etwaige Solaranlage. Ob der kleine Herd mit den Herausforderungen der heutigen Zeit mithalten kann, muss sich noch herausstellen. Unsere Großeltern konnten offensichtlich damit leben.

Der Spülschrank ist wiederum ein Eigenbau. Die Front besteht aus gewölbtem Blech, Schmiedearbeiten und einer antiken gusseisernen Platte. Für das Design im Jugendstil zeichnete ich nächtelang und bin nun zufrieden mit dem Design. Die Arbeitsfläche besteht aus echten Fliesen und der Wasserhahn hat weniger als ein Zentimeter Spiel zum sich öffnenden Fenster. Planung und Bewusstsein für die kleinen Probleme sind wichtig.

Unter dem Spülschrank führt ein Rohr durch den Fußboden nach außen. Durch dieses Rohr verlaufen Wasser-, Abwasser- und Gasleitung. Es ist zwar eine einfach Lösung, aber sie bietet maximale Flexibilität, denn alle Versorgungsleitungen können problemlos getauscht werden und es bietet die Möglichkeit nachträglich etwas von Außen in den Wagen zu verlegen oder umgekehrt. Das Warmwassergerät befindet sich dann wieder gut isoliert am Unterboden der Wechselbrücke. Somit ist auch dieser problemlos austauschbar (z.B. gegen einen stärkeren oder einen der mit Gas betrieben wird) und nimmt keinen Platz im Innenbereich weg. Außen liegende Anschlüsse für Warm- und Kaltwasser ermöglichen den zusätzlichen Anschluss von extra Entnahmestellen.

Ein weiters wichtiges Element ist die maßgeschneiderte Sitzecke. Wichtig für mich war, genügend Sitzplatz für 4-5 Leute zu haben und das große Fenster sollte die Möglichkeit bieten bequem zu sitzen und die hoffentlich schöne Aussicht zu genießen. Die Rückenlehne der Sitzbank ist herausnehmbar und bietet damit einen Schlafplatz für einen Gast. Unter den Sitzflächen befinden sich ausziehbare Kisten um all die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens zu verstauen und sogar ein Geheimfach für das gute Familiensilber.

Zu der Sitzecke fertigte ich einen kleinen Tisch mit Ablagefach. Die Platte soll mit antiken Zementfliesen bestückt werden, welche den Tisch nicht gerade zu einem Leichtgewicht machen, dafür aber eine unglaublich schöne Optik haben.

Den kleinen antiken Ofen den ich günstig erstanden habe, habe ich schon mal probeweise aufgebaut. Die Größe des Ofens sollte bei der guten Isolierung absolut ausreichen, aber ob die kleinen Öffnungen zum feuern mit Holz geeignet sind, muss sich noch herausstellen. Aber bei der Optik des kleinen Ofens konnte ich einfach nicht nein sagen.

Natürlich ist der Innenraum noch längst nicht fertig ausgestattet. Es ist genug Raum für einen mintfarbenen, antiken Kühlschrank, einen von mir im Art Deco Stil entworfenen, türkisen Schrank und kleinen, antiken, schwarz lackierten Blechspinden. Eine rollbare Sitztruhe würde mehr Sitzfläche und mehr Stauraum bieten. Vorhänge vor Schlafkoje und Kleiderkammer sind ebenfalls in Planung.

Das Haus wird mobil

Wie schon erwähnt, ist eine Wechselbrücke und damit auch mein Häuschen erstmal eine Immobilie. Um sie zu bewegen braucht man eine BDF-Lafette. Bei allem rund um das Thema LKW Anhänger verlief meine Lernkurve intensiv und steil. Es gibt so viel zu lernen: Es gibt verschiedene Zugösen und Druckluftkupplungen. Diese Anhänger können hoch- oder tiefgekuppelt sein. Es gibt Drehschemel und Tandemachser, mit Einfach- oder Doppelbereifung und mit verschiedenen Zuladungen. Eines der relevantesten Punkte allerdings ist die Fahrhöhe und die Hubhöhe. Grundsätzlich gilt, dass Lafetten mit kleinen Rädern eine deutlich geringere Fahrhöhe habe und damit einen höheren Aufbau ermöglichen. Auch das muss unbedingt von Anfang an in der Planung bedacht werden. Alles über 4 m bedarf auf deutschen Straßen einer Sondergenehmigung oder passt ggf. unter keiner Brück durch! Für mich war also von Beginn an klar, dass ich eine Fahrhöhe von maximal einem Meter haben wollte. Da ich den Anhänger erst relativ zum Ende kaufte, musste ich feststellen, dass Lafetten mit niedriger Fahrhöhe mittlerweile eher selten werden und damit die Auswahl begrenzt ist. Auch der Transport ohne gültigen TÜV erschwert die Sache ganz erheblich, wenn man nicht über die nötigen Kontakte verfügt. Ja, alleine jemanden zu finden, der einem einen solchen Anhänger über kurze Distanz transportiert, ohne dabei Zahlungen im vierstelligen Bereich auf sich zu nehmen, stellte sich beinahe als ein Ding der Unmöglichkeit heraus. Das Frustrationslevel war zeitweise sehr hoch…

Aber zurück zu meinem Anhänger. Ich entschied mich für einen Tandemanhänger, da diese leichter sind und eben auch weil er beinahe der einzige war, der mit TÜV innerhalb meines Budgets zu bekommen war. Die Bilder zeigen nur ganz kleine Teile des tatsächlichen Rostbefalls. Zwar ist der Stahl des Anhängers so dickwandig, dass man sich um die Stabilität keine Sorgen machen muss, aber die Stunden mit Winkelschleifer und Pinsel unter dem Anhänger waren nicht gerade die angenehmsten des Projekts!! Ich ging es also in Abschnitten an, entrostete und lackierte mit dickschichtigem Chassislack in Schwarz. Front, Heck und Räder sind dann wieder farblich passend in Türkis. Das Auge fährt ja mit.

Mein Anhänger bekam also wahlweise eine 40er und ein 50er Zugöse eine moderne Druckluftkupplung und an dieser einen Anschluss, um die Bremsen und die Luftfederung mit einem Kompressor betätigen zu können. Das Reserverad verschwand aus seiner Halterung und ich ersetzte es durch einen hölzernen Kellerkasten.

Was auffällt sind die Aufkleber mit der 40. Das hat folgende Bewandtnis: Wie schon erwähnt, ist eine 25 km/h Lösung kaum rechts-sicher umzusetzen. Nun ist es aber so, dass LKW Anhänger über 7,5 Tonnen jährlich zum TÜV müssen; sind sie über 10 Tonnen, kommt dazu halbjährlich die Sicherheitsprüfung beim TÜV. Mein Plan war aber, den Anhänger nur anzumelden, wenn er tatsächlich benötigt wird und eben nicht alle halbe Jahre zum TÜV zu fahren (die großen Probleme eine Zugmaschine zu finden erwähnte ich ja schon!). Allerdings gibt es eine Möglichkeit, die eigentlich nur in der Landwirtschaft bekannt ist. Die 40 km/h Regelung. Damit muss der Anhänger nur alle 2 Jahre zum regulären TÜV. Wie ich nun weiß, nach einer monatelangen (!) Odyssee durch die TÜV Stellen meiner Region, ist es nicht nur für Land- und Forstwirtschaft möglich, sondern auch für Privatpersonen. Wer den TÜV kennt, weiß, dass die Ingenieure im Zweifel Nein sagen. Und ich habe viele „Neins“ bekommen. Letztendlich ging es dann doch. Die Leidensgeschichte ist lang… Nun also hat die Lafette legalen TÜV für 2 Jahre bei voller Zuladung, darf dafür aber eben nur mit 40 km/h gezogen werden. Aber seien wir mal ehrlich; wer will denn mit seinem wertvollen Haus auf die Autobahn?

Anbauten Außen

Für den ersten, einfachen Zugang zum Zirkuswagen habe ich erstmal eine einfache, kleine Treppe mit Podest gebaut. Die Treppe ist zerlegbar, eigenständig stehend und lässt sich in allen Positionen stellen. Das ist natürlich erstmal nur der Anfang. Ein größere Terrasse mit Dach wäre natürlich das finale Ziel. Dafür ließe sich die Treppe weiterverwenden.

Ein weiterer Anbau ist ein kleines Vordach aus imprägniertem Stoff. Es ist abnehmbar und schützt den Eingangsbereich vor dem gröbsten Regen. Natürlich habe ich auch hier ausschließlich Edelstahl verbaut und mir eine etwas schönere Form einfallen lassen.

Ansonsten sind die Ideen und Möglichkeiten vielfältig. Eine Außendusche mit Gas-Durchlauferhitzer, wie erwähnt, ein separater Sanitär-Wagen, verbunden mit einer Plattform, Markisen über den Fenstern, etc.

Was noch zu sagen bleibt. oder: Was bringt die Zukunft?

Was noch fehlt sind schöne Fotos des Innenraums bei gutem Licht und schöne Außenaufnahmen. Ich möchte gerne meinen Traum, den ich mit soviel Herzblut, Zeit und Kraft in die Tat umgesetzt habe, gebührend ablichten. Ein Buch darüber wäre schön… Man darf ja träumen…

Nun geht es um einen Stellplatz, einen Ort, den ich, und sei es auch nur für eine begrenzte Zeit, meine Heimat nennen kann. Die Frage ob das legal ist, wird ja momentan heiß diskutiert und scheint darauf hinaus zu laufen, dass es, wenn überhaupt, nur geduldet wird. Gut, es gibt die Möglichkeit einer Baugenehmigung. Wer sich aber schon mal mit der Landesbauordnung auseinandergesetzt hat, weiß, dass es, wenn überhaupt möglich, viel guten Willens der Kommune bedarf. Es ist wohl eher eine philosophische Frage in einer Zeit, in der unser aller Leben bis in die kleinsten Alltäglichkeiten mit einander verwoben ist: Darf man sich die Freiheit nehmen und sich ein eigenes Zuhause aufbauen, ohne auf die kleinkarierten Spitzfindigkeiten der Gesetzgebung (ob gerechtfertigt oder nicht) zu achten? Gibt es Freiräume für Menschen, die sich das Leben anders vorstellen, als es vorgefertigt angeboten wird? Gibt es ein Problem, wenn man niemanden stört, nichts beschädigt und keine nachhaltigen Beeinträchtigungen hinterlässt? Die Bauwagenszene der 80er und 90er hat es vorgelebt und gezeigt, was möglich ist, wenn Menschen zusammen kommen und einen Abschnitt ihres Lebens einer anderen Lebensform widmen wollen. Sehr viele sind dem Raumbedarf von Großinvestoren zum Opfer gefallen. Platz wird knapp, Baugrund wird Gold wert und Raum für alternative Lebensformen obsolet…

Die Frage, ob es ökologisch ist, wenn jeder, oder besser einige, ihren Traum auf einer Fläche leben, die sich problemlos viel effektiver nutzen ließe (Menschen lassen sich eben effizienter in die Höhe stapeln), möge sich jeder selber beantworten. Aber es sei doch die Frage erlaubt, ob ein vollkommen oder teilweise autarker, mobiler Wohnwagen mit geringem Platzverbrauch und ohne die Versiegelung des Bodens tatsächlich einen ökologischen Schaden anrichtet? Und es läuft eben auch auf die Frage hinaus, ob den Menschen in einem so umkämpften Lebensraum noch das Recht auf einen eigenen Freiraum oder Eigensinn zusteht? Ist es nicht weniger der Mensch und sein Wille selbstbestimmt zu leben, der das Problem erzeugt, als vielmehr die immer größer werdende Masse der Menschen, auf dichtgedrängtem Raum?

Und doch gibt es noch immer genug Raum für diese Minderheit. Es gibt viel Höfe, Gärten, Industriebrachen, unzugängliche Grundstücke, auf denen eine solche Lebensform nicht nur möglich, sondern auch ideal wäre. Es muss ja nicht für immer sein. Es bräuchte eigentlich nur die Akzeptanz, dass es bei uns ein fahrendes Volk gibt, die ihre Heime auf Räder stellen und bereit und fähig sind, weiter zu ziehen. Ist das denkbar, ist das politisch und gesellschaftlich gewollt oder akzeptiert? Ich würde es mir wünschen! Mein Wagen jedenfalls hat Räder und ist jederzeit fähig auf eigener Achse das Zuhause zu wechseln. Das Leben auf Rädern kann beginnen.