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Steampunk HQ in Oamaru, Neuseeland

Zwischen 2010 und 2013 arbeitete ich regelmäßig an einer Kunstausstellung in Oamaru, Neuseeland, mit dem Namen Steampunk HQ mit. Dies ist eine feste Ausstellung mit Skulpturen, Installationen und anderen Merkwürdigkeiten im Steampunk Style welche neue erlebbare Maßstäbe im Bereich des Steampunk setzt. In der Ausgabe 2012/2013 des Lonely Planet, der Bibel für Reisende, wurde das Steampunk HQ bereits aufgenommen und in der Rubrik „What`s new“ mit folgender Beschreibung erwähnt: „forging an eccentric combination of Victoriana and an industrial future, Oamaru’s new Steampunk HQ adds a quirky layer to the town’s fascinating heritage ambience.“

 

Was ist Steampunk?

Als die Erfinder des Steampunk dürfen Autoren wie Jules Verne und H.G. Wells gelten. Diese Autoren des 19. Jahrhunderts verarbeiteten die Eindrücke der einsetzenden Industrialisierung. Die Erfindung der Dampfmaschine revolutionierte die Arbeits- und Lebenswelt der Menschen und ermöglichte innerhalb kürzester Zeit die Freisetzung nie geahnter Energien und Möglichkeiten. Kein Wunder also, dass die Menschen dieser Zeit anfingen von phantastischen Reisen zum Mond oder in die Tiefsee zu träumen und dass die sich radikal ändernde Lebenswirklichkeit die Fantasie beflügelte. Doch nicht nur optimistische Zukunftsträume prägten die Vorstellung dieser Zeit, sondern ebenso aufkommende Ängste angesichts vor den neuartigen Maschinen der Industrie, die außer Kontrolle zu geraten schienen. In dieser Atmosphäre des Aufbruchs, der Träume und der Bedenken verfassten Schriftsteller die ersten Science-Fiction-Romane, in denen sie sich mit kreativer Freiheit die Zukunft der Menschheit vorstellten. Da in dieser Zeit, der viktorianischen Epoche, selbst Maschinen und Geräte noch elegant und künstlerisch verziert wurden, ist die Ästhetik der in Romanen  erdachten Wundermaschinen ein besonderes Charakteristikum. Bis heute zeichnet sich der Steampunk durch besonders elegant anmutende, meist viktorianisch verzierte Maschinen und Gadgets aus. Zwar ist heute längst bekannt, dass die Zukunftsträume des 19. Jahrhunderts keineswegs realistisch waren, dennoch ist die Faszination an den romantischen, träumerischen  Phantasien geblieben. Vehikel und Maschinen sind im Steampunk Style grazil verziert, dampfbetrieben, imposant und technisch überspitzt detailliert. Schöne Kombinationen aus Holz, Kupfer und Messing erzeugen eine romantische, warme Erscheinung. Die heutigen „Steampunker“ treten meistens in eleganter, sehr phantasievoller, viktorianischer Kleidung mit kreativen, cyborgähnlichen Gadgets auf.

Zusammengefasst ist Steampunk also Science Fiction aus Sicht des viktorianischen Zeitalters.

Arbeit in der Ausstellung

Während meiner Arbeit an der Ausstellung des Steampunk-HQ lag die Herausforderung darin, phantastische Skulpturen zu entwerfen und zu bauen. Dabei stand mir ein großer Fundus aus Altmetall und teils skurrilen Kuriositäten zur Verfügung. Doch auch bei dieser Arbeit waren mir die oft funktionslosen Skulpturen, wie sie in dieser Szene oft zu finden sind, nicht genug. Gemäß meines Anspruchs sollten meine Kreationen mit Funktionen beseelt, von Besuchern bedienbar oder begehbar sein, oder eben erlebbar sein, statt nur angeschaut zu werden. Dieser Anspruch erforderte folglich viel Verständnis für Mechanik und Technik und ein hohes Maß an Improvisation und Kreativität. Die Limitierung des nutzbaren Materials, der vorhandenen Werkzeuge und der örtlichen Gegebenheiten, in Verbindung mit dem Anspruch, eine Skulptur mit höchster Faszination für Jung und Alt zu schaffen, erforderte immer ein Höchstmaß an kreativer Flexibilität und spielte dennoch meiner bevorzugten Arbeitsweise in die Hände.

Die fast ausschließlich positiven Reaktionen seit der Eröffnung der Ausstellung lassen mich bis heute sehr gerne an diese Zeit in Neuseeland zurückdenken und erfüllen mich auch mit einem bescheidenen Stolz.

Bei weiterem Interesse empfehle ich den Link zur Internetseite des Steampunk HQ.